Ich möchte dir heute einen kleinen Überblick geben zu den Inhalten und dem Ablauf der schriftlichen Prüfung zur Personalfachkauffrau/-mann IHK.

Die 4 Handlungsfelder der Abschlussprüfung:

Grundsätzlich ist die Abschlussprüfung in 4 Handlungsfelder aufgeteilt. Pro Prüfungstag werden jeweils 2 Handlungsfelder geprüft und anschließend ist eine Pause. Die genauen Inhalte des Prüfungs-Rahmenplans habe ich separat beleuchtet. Hier siehst du auch, wieviele Punkte es für jeden Bereich gibt.

  1. Personalarbeit organisieren und durchführen (1. Prüfungstag, ca. 120 Minuten)
  2. Personalarbeit auf Grundlage rechtlicher Bestimmungen durchführen (1. Prüfungstag ca. 150 Minuten)
  3. Personalplanung, -marketing und -controlling gestalten und umsetzen (2. Prüfungstag ca. 150 Minuten)
  4. Personal- und Organisationsentwicklung steuern (2. Prüfungstag ca. 150 Minuten)

Welche Aufgabentypen gibt es und wie löse ich sie am besten?

In einigen IHK Prüfungen, z.B. der AEVO-Ausbildereignung, gibt es programmierte Aufgaben. Zu einer Fragestellung werden mehrere Antwortmöglichkeiten gegeben und man wählt die richtige(n) aus. In der Prüfung zur Personalfachkauffrau/-mann IHK gibt es diese nicht. Es werden ausschließlich offene Fragen bzw. Situationsaufgaben gestellt, die eine Stellungnahme oder eigene Gedanken fordern. Aufgrund der zu erreichenden Punktezahlen kannst du sehr gut Rückschlüsse ziehen, wie tief und umfangreich die Antworten erwartet werden. In jedem Prüfungsteil stehen unterschiedlich viele Minuten zur Verfügung. Hast du z.B. 120 Minuten Zeit, hast du pro Punkt ca. 0,8 Minuten Zeit.

Man kann grob zwischen zwei Typen von Aufgaben unterscheiden: Wissenaufgaben und Anwendungsaufgaben.

In Wissensaufgaben wird erwartet das Wissen erlernter Sachverhalte und Fachterminologien widerzugeben. z.B. die Kenntnis des Zusammenhangs von Abgaben und Steuern, Begriffserläuterungen oder ähnliches. Hier ist das Ziel zu überprüfen, ob du die Grundlagen des Faches kennst und über das entsprechende Wissen verfügst.

Bei Anwendungsaufgaben steht die Anwendung von Wissen im Vordergrund. Ziel ist es zu prüfen, ob du über das Wissen verfügst und in der Lage bist dieses Wissen auf einen vorgegebenen Sachverhalt anzuwenden und zu übertragen.

Ich möchte jetzt keine allgemeinverbindliche Regel über die „richtige“ Vorgehensweise aufstellen, sondern dir zeigen, wie ich es gemacht habe. Ich habe mir zuerst einen Gesamtüberblick über die Prüfung verschafft. Oft bauen die Aufgabenstellungen aufeinander auf. Manchmal hat man sogar ein bisschen Glück und im hinteren Teil der Aufgaben gibt es durch die Fragestellungen einen Lösungsansatz für die ersten Prüfungsfragen. Durch den Gesamtüberblick kannst du Schwerpunkte für die Bearbeitung der Aufgaben setzen und auch die Reihenfolge festlegen.

Dabei habe ich mit unterschiedlichen Farben gearbeitet. Mit einem grünen Textmarker habe ich mir die Aufgaben mit einem kleinen Punkt markiert, die mir leicht fallen werden. Mit einem rosa Textmarker die Aufgaben an denen ich vermutlich knabbern werde. Wenn mir beim Lesen gleich wichtige Impulse gekommen sind, habe ich mit Bleistift schon mal Stichworte neben die Aufgabe geschrieben. Hier auch nochmal der Tipp bei späteren Aufgaben noch an die früheren zu denken, vielleicht versteckt sich der ein oder andere Hinweis. Während des Lesens, habe ich mir auch mit einem gelben Textmarker wichtige Hinweise markiert, die mir Tiefe/Umfang der gewünschten Antwort verraten.

Ich habe meine Prüfungsaufgaben, sofern sie nicht aufeinander aufgebaut haben, oft nicht nacheinander bearbeitet. Um gut in die Prüfung einzusteigen, habe ich mir alleinstehende Fragen gesucht, die ich schnell und sicher beantworten kann. Das gab mir Rückenwind und ich kam gut in die Prüfung rein. Pro Aufgabe habe ich eine neue Seite angefangen. So kann man bei späteren Eingebungen nochmal etwas feilen und hat dann nicht den Stress von zuwenig Platz.

Wenn ich mit einer Beantwortung fertig war, habe ich es mir nochmal durchgelesen. Um am Ende etwas Zeit zu sparen, habe ich mir bei den Fragen, bei denen ich absolut sicher war, dass ich alles habe und alles richtig ist, in die farbige Markierung am Anfang der Frage, einen Haken gesetzt. Das heißt für mich: Wenn du am Ende nochmal durchliest und nicht mehr viel Zeit hast, überspring diese Aufgabe. Passt schon.

Wenn ich bei einer Aufgabe feststeckte, habe ich die Beantwortung von dieser unterbrochen und habe eine neue angefangen. Ich habe dann in die farbige Markierung zu Beginn der Frage ein Zeichen für fehlend gesetzt (ein durchgestrichenes V). Da heißt für mich: Wenn du am Ende nochmal Zeit hast, musst du dir die Aufgabe nochmal anschauen, hier fehlt etwas oder ich bin mir nicht ganz sicher, ob es richtig ist.

Durch das Arbeiten mit den verschiedenen Farben hatte ich ein gutes Zeitmanagement. Auch wenn ich sehr viel geschrieben habe, bin ich locker mit der Zeit ausgekommen und konnte mir auch die „Passt schon“ Aufgaben nochmal angucken.

Das Wichtigste bei der Prüfung ist es, die Fragen richtig zu verstehen. Der Tipp heißt hier: Leseverständnis. Hört sich selbstverständlich an, oder? Aber ich sage euch, beim Studieren der Lösungsvorschläge der Prüfungen werden ihr es merken. Lest ihr die Frage nicht richtig, kann euch das wichtige Punkte und viel unnötig verplemperte Zeit kosten.

Die häufigsten Fehler bei der Prüfungsbearbeitung: Voreilige Schlüsse ziehen, Text oder Fragen nicht ganz zu Ende lesen, vorschnell auf ähnliche Situationen geschlossen und diese Lösungen herangezogen, Verneinungen nicht beachtet, Fragen insgesamt falsch interpretieren oder falsch auffassen.

Fazit meiner Tipps zur Bearbeitung der Abschlussprüfung:

  • Überblick über die Aufgaben verschaffen: Welche fallen dir leicht? Welche schwer? Gibt es später Hinweise, die dir für die ersten Aufgaben helfen?
  • Pro Aufgabe eine neue Seite/neues Blatt (je nach Punktzahl) beginnen.
  • Wenn möglich mit einer einfachen Aufgabe einsteigen um in den „Flow“ zu kommen.
  • Ideen beim Lesen gleich notieren, damit du sie später nicht vergisst
  • Für die Beantwortung der Fragen nicht zu viel Zeit verbraten, du musst auch nochmal durchlesen.
  • Arbeite mit unterschiedlichen Farben, am besten nicht erst bei der richtigen Prüfung, sondern bereits beim Üben vorher. Dann geht das voll in Fleisch und Blut über!
  • Fragen genau lesen! Dazu jetzt im folgenden Absatz mehr.

Fragestellung richtig erkennen

Nennen, Angeben, Aufzählen

Aufzählung von Begriffen. Keine Beurtilung oder Bewertung. Deine Lösung kann kurz, auch in Stichpunkten gegeben werden. Achtung: Wenn 5 Antworten gefragt sind werden deine ersten 5 Antworten gezählt.

Beschreiben, Schildern, Darstellen

Mit mindestens einem ganzen Satz soll etwas mit Worten dargestellt werden. Die Anzahl der Punkte geben Hinweis auf die Länge/Anzahl der Lösungsbegriffe.

Erläutern oder Erklären

Nachgefragte Hintergründe oder Besonderheiten, die nicht allgemein bekannt sind, kennzeichnende Aspekte und Merkmale, die in der Aufgabenstellung hervorgehoben sind, sollen erklärt werden. Eventuell sollen typische Charakteristika z.B. durch Umschreibungen oder Beispiele genannt werden.

Begründen

Die Lösung der Aufgabe durch Argumente und Argumentationsschritte absichern und nachvollziehbar machen. Das kann in Form von Zitaten oder aus der Sachlogik heraus geschildert werden.

Klären

Hier wird erwartet, dass eine, wenn möglich/gefordert, am Gesetzestext ausgerichtete Begründung für die Handlung oder Vorgehensweise, die du vorschlägt geliefert wird.

Bestimmen

Hier wird verlangt, dass die Auswirkung einer Handlung, eines Wahlrechts oder ähnliches, auf einen konkreten Sachverhalt aufgezeigt wird und du das Ergebnis anhand des Gesetzestextes begründest.

Berechnen

Hier musst du die einzelnen Lösungsschritte bis zur Lösung aufzeigen. Du musst einen kurzen Lösungssatz ebenfalls beifügen, sonst bekommst du weniger Punkte, trotz der offensichtlichen Lösung durch das Ergebnis.

Beurteilen

Hier soll ein vorgegebener Sachverhalt z.b. auf Richtigkeit, Zweckmäßigkeit, Alternativen usw. anhand einschlägiger Normen und deines Wissens bewertet werden. Du musst das Ergebnis begründen.

Handlungsempfehlung geben

Du kannst hier Handlungsalternativen aufzeigen und auf die Zweckmäßigkeit im Zusammenhang mit der Zielsetzung bewerten und beurteilen.

Wie läuft der Prüfungstag ab und welche Rahmenbedingungen gibt es?

Spätestens zwei Wochen vor der Prüfung bekommst du die Einladung. Es werden dir Voraussetzungen und die zugelassenen Hilfsmittel mitgeteilt. In der Regel sind das:

  • Einladung zur Prüfung
  • gültiger Personalausweis/Reisepass
  • zugelassenen Hilfsmittel (z.B. unkommentierte Gesetzestextsammlung)
    Unkommentiert heißt, keine Notizen. Querverweise auf Paragraphen sind in Ordnung und solltest du unbedingt nutzen!
  • dokumentenechte Kugelschreiber (hab mal mindestens 2 dabei..)
  • Lineal
  • nicht programmierbarer Taschenrechner
  • Textmarker (ich empfehle drei Farben, wie du weißt)
  • Persönliche Dinge (Pausenbrot, Getränke, Glücksbringer, Obst)

Lösungs- und Konzeptblätter werden dir von der IHK gestellt.

Hast du noch Fragen zur Prüfung? Kann ich dir Tipps geben? Kontaktiere mich oder schreibe mir einen Kommentar!

Wenn du noch nicht genug hast, werfe einen Blick in meine Artikelserie zur Weiterbildung Personalfachkauffrau/-mann IHK.

 

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